Wer einmal vor Publikum stand, weiß, wie schwer es ist, alle Zuschauer und Zuhörer zu unterhalten. Jeder der, das Publikum braucht, und ein eigenes Repertoire darbietet, verkauft immer auch ein Stück seines eigenen Lebens.

Kunstturner

Das Stück Papier liegt auf dem Tisch, wie ein Fußballfeld schraffiert.

Es soll genauso wild beackert werden gefährlich dann, wenn er verliert.

Ein Außendienstler, der mit Staumauern dealt und mit gefluteter Herzkammer spielt,

verkauft oft genug sein „Vorzeige-Ich“,  und in das Hurrikanauge zielt.

In der Nacht die langen Messer erträumt, im Verborgenen Plakate klebt,

die Wendeboje um Längen verpasst, und im 4/4-Takt-Abseits lebt.

Refrain:

Kein Traumzauberbaum, den man selber pflanzt, wächst in den Himmelswillen hinein.

Das Publikum, als Dünger im Wasser, lässt ihn welken und gedeihen.

Wenn in der Brandung die Wutgischt schäumt, und die Seele darüber stirbt.

Wann genau entsteht der Hundeblick, der mit neun Katzenleben wirbt?

 

Und so fühlt er sich, bei jedem neuen Stück oft missverstanden und konsterniert.

Der Schlussakkord, zieht rein ins Fell, wenn die Tantieme nur deprimiert.

Jeder Auftritt in einem entarteten Krug, der unentwegt zu Brunnen geht,

die Zielgruppe legt die Ohren an, Zeichen, die er gut versteht.

Der Saltosprung im Trockendock, aufgeführt zu später Stunde.

Wer das nicht oft genug und rechtzeitig  übt, geht früher oder später vor die Hunde.

Refrain:

Kein Traumzauberbaum, den man selber pflanzt, wächst in den Himmelswillen hinein.

Das Publikum als Dünger im Wasser, lässt ihn welken und gedeihen.

Wenn in der Brandung die Wutgischt schäumt, und die Seele darüber stirbt.

Durch wessen Brille entsteht der Hundeblick, der mit neun Katzenleben wirbt?

 

Manuskript und Musik: Daniel Albinus

 

 

zur Texte-Site